futurewashing has never been so easy
futurewashing has never been so easy
EXPO 2135
Die Initiative von NNRRTV gegen eine EXPO von gestern
Ein Text zur Lage—und zur Zukunft.
Stefan Zweig meinte, man könne nicht wirklich gut gegen etwas schreiben, sondern nur für etwas. Das glauben wir auch. Und stellen gleichzeitig fest: Es fehlt an stimmigen Narrativen für etwas (und damit auch für die Zukunft)—in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und auch in Berlin.
Wir schreiben hier also nicht wirklich dagegen, auch wenn es so klingt. (Oder vielleicht doch?!)
Vorab: Wir ziehen den Hut vor den Initiatoren. Allein den Mut, so eine Initiative unternehmerisch aufzustellen, finden wir preisverdächtig. Leider (unserer Meinung nach) aber eben das einzige, was inspirierend ist an der ganzen Sache.
Schlimmer noch: Es wird eine Zukunft angedeutet, die den Namen nicht verdient. Man mag gar im Stand umdrehen und in vergangene Zeiten flüchten vor lauter Sorge, was da noch kommen mag. Diese Zukunft ist eine gnadenlose Ausreizung und Überdehnung der Gegenwart und feiert Zukunftsvisionen der Vergangenheit.
Dagegen schreiben wir.
Dieses Dagegen verstehen wir als Versuch der Neutralisierung, des Aufhebens. Ein Zurück auf Los. Eine verbundene Geste jedoch, um dann wirklich in die Zukunft zu springen: Wie die Turnerin am Reck sammeln wir im freien Fall Energie für den Aufschwung.
Wie das greenwashing nimmt auch das futurewashing seine Vorsilbe nicht ernst. Es täuscht vor, dass es sich um Zukunft handelt, will sich schmücken, ohne Arbeit zu tun. Diese Leere ist allerorts spürbar, man sieht sie sogar, fast greifbar, aussprechen darf sie niemand: siehe da, der Kaiser ist nackt. Wie bekannt und belegt, entstehen daraus ganze Bewegungen, die in ihrer Eigendynamik schwer zu stoppen sind, rollen sie einmal. Wenn dazu der blinde institutionalisierte Applaus in Form von Hashtag-Reihen der Ministerien rund um einfachmachen et al. kommt, leitet das (wie die Moral) ab in den sicheren Tod. Geht euren Phrasen nach bis zu dem Punkt, an dem sie verkörpert werden: Folgen wir also Büchner und gehen dem konsequent weiter nach, sieht man vielleicht Licht am Ende des Tunnels—und landet gar bei Trump?
Es fehlt eine wirkliche Bestandsaufnahme (Thema Mut), aus der Identität und Richtung für ein Land, eine Gesellschaft und damit deren Menschen entspringen (können, Konjuktiv). Zugegeben, wir gehen hier auch nicht viel weiter, schauen wir jedoch genau hin—und zeigen mit einer Tasse Filterkaffee voll Arbeit auf, welche Schwachstellen bereits sichtbar werden, und damit vielleicht auch, wie maximal uninspirierend Zukunft sein kann (aber nicht muss). Wir sollten wirklich anders.
Wir können anders, helfen gerne auch dabei, und im Zweifel erstmal damit, aufzuzeigen, wie nicht: Wenn nämlich eine Bewegung in eine ungünstige Richtung steuert, beschleunigt, verschärft ein einfachmachen—und eben auch diese EXPO, die ja erst 2035 stattfindet, in 2025 jedoch schon alt aussieht—diese Dynamik.
Eine EXPO kann Ausstrahlung haben. Kann heißt nicht muss, aber eben sollte. Das sollte zumindest der Anspruch sein.
Wir glauben an Zukünfte, erschaffen jeden Tag neue und trauen uns, davon zu erzählen—so allerdings nicht.